Schwerpunkt Kardiologie

Die Kardiologie beschäftigt sich mit den Erkrankungen des Herzens. Das Herz ist ein Hochleistungsorgan. Von Geburt an schlägt es ohne Pause 60 bis 80 mal pro Minute und pumpt im Laufe jedes einzelnen Tages etwa 8.000 Liter Blut durch die Adern. Dennoch sind  Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigsten Todesursachen in Industrieländern. Daher ist eine frühzeitige Diagnostik und effektive, leitliniengerechte Therapie für den Erhalt der Leistungsfähigkeit und die Verbesserung der Lebensqualität wichtig. Im folgenden werden einige Untersuchungstechniken, die in unserer Klinik durchgeführt werden, erklärt sowie wichtige Erkrankungsbilder erläutert.

Einblicke

Untersuchungstechniken

Echokadiographie

Echokardiographie ist das „Arbeitspferd“ der Kardiologie und beschreibt die Untersuchung des Herzens mittels Ultraschall.

Bei der transthorakalen Echokardiographie wird das Herz durch Ansetzen eines Schallkopfes auf den Brustkorb dargestellt. Die Echokardiographie erlaubt innerhalb kürzester Zeit eine patientenschonende, eingehende Untersuchung des Herzens. Die Größe der einzelnen Herzkammern, die Pumpfunktion und Funktion der einzelnen Herzklappen sind gut erkennbar.

TEE (transösophageale Echokardiographie)

Diese Untersuchungsmethode bezeichnet eine Ultraschalluntersuchung von der Speiseröhre aus. Hierzu muss der Patient einen Schlauch mit der Ultraschallsonde am Ende dieses Schlauches schlucken. Die Untersuchung wird in der Regel mit einer Betäubungsspritze durchgeführt.

Diese Methode liefert eine bessere Darstellung bestimmter Anteile des Herzens und der Hauptschlagader (Aorta). Außerdem werden selbst kleinste Blutgerinnsel (Thromben), insbesondere im linken Herzohr sicher erkannt.

Medikamentöse Stress-Echokardiographie

Bei der Belastungs- oder Stress-Echokardiographie wird der Patient durch ein Fahrradergometer oder durch ein Medikament einer Belastung ausgesetzt, so dass der Pulsschlag schneller wird und auch der Blutdruck ansteigt. Hierdurch wird das Herz „unter Stress gesetzt“. Während der Untersuchung wird die Pumpfunktion einzelner Wandabschnitte des Herzens mittels Ultraschall untersucht. Die Untersuchung wird verwendet, um Durchblutungsstörungen des Herzens zu erkennen.

Langzeit-EKG

Mit Hilfe eines kleinen tragbaren Aufzeichnungsgerätes wird ein EKG über 24 Stunden registriert. Auf dem Brustkorb werden dazu mehrere Elektroden geklebt, die das EKG auf das Aufzeichnungsgerät übertragen. Nach Ende der Aufzeichnung werden die Daten computergestützt ausgewertet. Durchschnittlich werden mehr als 100.000 Herzaktionen in 24 Stunden analysiert. Ein Langzeit-EKG wird eingesetzt, um das Ausmaß von Herzrhythmusstörungen bewerten und auch seltene Herzrhythmusstörungen aufspüren zu können.

Belastungs-EKG

Bei einem Belastungs-EKG wird ein EKG unter körperlicher Belastung (Fahrradfahren) geschrieben. Es werden die körperliche Leistung (in Watt) und mögliche Veränderungen der Herz-Kreislauf-Funktion gemessen. Mit dem Belastungs-EKG wird insbesondere die koronare Herzkrankheit (KHK) diagnostiziert.

Abklärung unklarer Synkopen (Bewusstlosigkeit) mittels Kipptisch und Event-Recorder

Die Synkope ist eine plötzliche, vorübergehende Bewusstlosigkeit mit Tonusverlust und spontaner sowie kompletter Rückbildung innerhalb kurzer Zeit. Sehr häufig kommt es dabei zum Blutdruckabfall und zum Sturz, an den sich viele Patienten im Nachhinein nicht mehr erinnern können. Manchmal gehen der Bewusstlosigkeit typische Vorzeichen wie Schwindel, Sehstörungen, Schweißausbruch, Gangunsicherheit und Übelkeit voraus. Die Bewusstlosigkeit tritt ein, da der Blutdruckabfall zu einer verminderten Durchblutung im Gehirn führt. Die unklare Bewusstlosigkeit ist nicht selten, sondern stellt bis zu 6 Prozent der Krankenhauseinweisungen dar. Ältere Patienten sind häufiger als junge Patienten betroffen und es gibt eine hohe Dunkelziffer, da viele Patienten, die zu Hause stürzen, nicht unmittelbar zum Arzt gehen. Insbesondere die Sturzgefahr mit bis zu 35 Prozent größeren Verletzungen (Schenkelhalsfraktur, Schädelfraktur, Armbrüche etc.) spielt in dieser Generation eine große Rolle.

Bei der Kipptisch-Untersuchung wird getestet, wie der Körper auf längeres, bewegungsloses Stehen reagiert. Tritt bei dieser Untersuchung eine Bewusstlosigkeit auf, so bezeichnet man diese als gutartige sog. neurokardiogene Synkope.

Wenn auch trotz intensiver stationärer Abklärung in unserer Klinik keine sichere Ursache für die Bewusstlosigkeit auszumachen ist, weil sie unter Umständen so selten auftritt, dass der Zeitraum der Behandlung auf der Station nicht ausreicht, empfehlen wir bei dem Verdacht auf eine kardiale Ursache die Implantation eines sog. implantierbaren Ereignisrekorders, der mittels eines kleinen Hautschnitts über dem Herzen platziert wird. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit unserer allgemeinchirurgischen Klinik. Dieser Ereignisrekorder kann so wie ein Herzschrittmacher ausgelesen werden, wenn wieder eine Bewusstlosigkeit aufgetreten ist. Häufig gelingt dann über dieses diagnostische Instrumentarium die endgültige Diagnose, so dass der Patient dann der geeigneten Therapie zugeführt werden kann.

Moderne kardiologische Bildgebung mit Kardio-CT

Die Herz-CT-Untersuchung (Kardio-CT) bietet den Vorteil einer hohen Detailgenauigkeit. Fragestellungen die das Kardio-CT betreffen sind im Wesentlichen die genaue Bestimmung des Verkalkungsgrades der Herzkranzgefäße (sog. Kalk-Score oder Agatston-Score) sowie die Darstellung der Herzkranzgefäße, der Bypassgefäße und der großen Gefäße des Brustkorbes mittels jodhaltigem Kontrastmittel.

Der Kalk-Score dient dazu, abzuschätzen, ob ein Risiko für einen Herzinfarkt besteht, denn er kann die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße sehr sicher, nicht invasiv und gut reproduzierbar erfassen. Diese Untersuchung dauert nur wenige Sekunden und erfordert kein Kontrastmittel. Die Strahlenbelastung ist vergleichsweise gering. Je nach Verkalkungsgrad werden drei Risikogruppen unterschieden.

Nach Gabe von Kontrastmittel können sowohl die Herzhöhlen, Herzklappen als auch insbesondere die Herzkranzgefäße selbst dargestellt werden. Gelegentlich kann dadurch der invasive Herzkatheter ersetzt werden. Insbesondere bei der Darstellung von Bypassgefäßen ist das Herz-CT oftmals sehr hilfreich.

Finden sich dann allerdings krankhafte Veränderungen, muss der Herzkatheter incl. Ballonkatheter und ggf. Stentimplantation angeschlossen werden.

Kardio-MRT

In der Kernspintomographie des Herzens (Kardio-MRT-Untersuchung) geht es um die Anatomie und die Funktion des Herzens, krankhafte Veränderungen der Herzhöhlen, des Herzmuskels sowie der Herzklappen. Die Untersuchung dauert ca. ½ Stunde. Ein Vorteil dieser Untersuchung im Vergleich zum Kardio-CT ist die fehlende Röntgenstrahlung. Die Untersuchung erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten, der vielfache Atemkommandos befolgen muss. In der Regel wird je nach Fragestellung auch das MRT-Kontrastmittel Gadolinium eingesetzt.

Eine wichtige Information liefert die Kardio-MRT-Untersuchung bei der Fragestellung einer Herzinfarktnarbe nach Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Durch diese Untersuchung kann der durch den Herzinfarkt angerichtete Muskelschaden genau quantifiziert werden. Dies hat oftmals erhebliche Bedeutung für die weitere Therapie (Ballonkatheter, aortocoronare Bypassoperation).

Herzschrittmacher-Implantation

Für einen beständigen und gleichmäßigen Herzrhythmus sind die Systeme der elektrischen Reizbildung und Reizleitung im Herzen zuständig. Das Steuerzentrum des Herzens wird Sinusknoten genannt. Der Sinusknoten erzeugt in regelmäßigen Abständen einen elektrischen Impuls, der sich über Leitungsbahnen in die Herzkammern ausbreitet.
Wenn das Steuerzentrum erkrankt ist (Sinusknoten-Syndrom) oder die Leitungsbahnen im Herzen unterbrochen sind, ist die Folge ein zu langsamer Herzschlag (Bradykardie) oder in seltenen Fällen auch ein vorübergehender Herzstillstand. Mögliche Folgen sind vorübergehende Ohnmacht (Synkope), Leistungsminderung und Luftmangel. Eine Behandlung mit Medikamenten ist allenfalls vorübergehend wirksam.

In aller Regel werden deshalb bradykarde Herzrhythmusstörungen mit einem Herzschrittmacher behandelt. Ein Herzschrittmacher wird unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut platziert. Von dort werden ein oder mehrere dünne, sehr biegsame Kabel (Sonden) durch die Blutgefäße zum Herzen gelegt. Kontakte an der Spitze der Sonden übertragen die elektrischen Impulse des Schrittmachers zum Herzmuskel. Umgekehrt nehmen die Sondenspitzen auch die elektrischen Signale des eigenen Herzens auf und melden dem Schrittmacher die eigene Herztätigkeit, solange sie noch vorhanden ist. Nur wenn die Abstände zwischen einzelnen Herzschlägen zu lang werden, setzt der Herzschrittmacher ein und garantiert damit eine ausreichend schnelle Herzschlagfolge.

Mittlerweile sind Herzschrittmacher nur wenig größer als ein Streichholzbriefchen und erreichen dank enormer technischer Entwicklung eine durchschnittliche Funktionsdauer von acht bis zehn Jahren. Herzschrittmacher sind sehr sicher, Funktionsstörungen kommen aber vor und betreffen dann meist die Sonden. Daher werden Herzschrittmacher in regelmäßigen Abständen von außen kontrolliert (zweimal im Jahr). Herzschrittmacher beeinträchtigen das Leben der Betroffenen kaum. Sobald die Operationswunde verheilt ist, können die meisten Träger eines Herzschrittmachers ihren normalen Alltag wiederaufnehmen. In vielen Fällen ist die Belastbarkeit sogar höher als vor der Herzschrittmacher-Implantation.

Typische Herzerkrankungen

Herzrhythmusstörungen

Störungen in der normalen Abfolge des Herzschlages werden als Herzrhythmusstörungen bezeichnet. Sie können völlig harmlos, aber auch lebensbedrohlich sein. Die häufigste Herzrhythmusstörung im Erwachsenenalter ist das Vorhofflimmern. Vorhofflimmern kann anfallsweise auftreten oder dauerhaft vorliegen. Im Normalzustand, d. h. bei Sinusrhythmus werden die Vorhöfe und Kammern des Herzens unmittelbar nacheinander etwa 60 bis 80 mal pro Minute stimuliert. Die Muskelkontraktion der Vorhöfe führt zu einer zusätzlichen Blutfüllung der Herzkammern. Diese Funktion der Vorhöfe ist mit einer Einspritzpumpe beim Motor vergleichbar und erhöht das Schlagvolumen des Herzens um etwa 15 Prozent. Beim Vorhofflimmern hingegen laufen ungerichtet elektrische Erregungen über die Vorhöfe. Dies führt zu einer ungeordneten und meist schnellen Bewegung der Herzwände. Es besteht ein unregelmäßiger Puls (absolute Arrhythmie). Es kommt zu einer leichten Einschränkung der Pumpleistung des Herzens durch den Verlust der geordneten Vorhofkontraktion. Dies kann zu einer Verschlechterung der Belastbarkeit, insbesondere bei vorgeschädigtem Herzen führen. Durch den veränderten Blutfluss können sich in den Vorhöfen leichte Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Diese Thromben können sich lösen und dann im Körper zu embolischen Gefäßverschlüssen führen. Besonders gefürchtet sind Schlaganfälle durch Hirnembolien. Seltener kommt es zu einem Verschluss einer Arm- oder Beinarterie oder Verschluss eines Darmgefäßes.

Koronare Herzkrankheit

Die koronare Herzerkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose (umgangssprachlich Arterienverkalkung). Hierbei bedingen Ablagerungen in den Gefäßen eine Versteifung sowie eine zunehmende Verminderung des Gefäßquerschnitts. Die Folge ist eine verminderte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Das Leitsymptom der koronaren Herzkrankheit (KHK) ist die Angina pectoris (Brustenge). Im Verlauf der Erkrankung kann es zu Herzrhythmusstörungen und der Entwicklung einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) sowie zu einem Herzinfarkt (akuter Verschluss eines Herzkranzgefäßes) kommen.

Herzinsuffizienz

Die Herzinsuffizienz kann man auch als Herzmuskelschwäche bezeichnen. Das geschwächte Herz ist nicht mehr in der Lage, das Blut ausreichend durch den Körperkreislauf zu pumpen. Frühzeichen einer Herzinsuffizienz sind verminderte Belastbarkeit, Luftnot bei schwerer Arbeit und Wassereinlagerungen an Knöcheln und Fußrücken. Erst später kommen Luftnot bei leichteren Tätigkeiten oder in Ruhe und Wassereinlagerungen an anderen Körperstellen dazu.