Mikroorganismen – Freund und Feind zugleich

Wir sind umgeben von Bakterien und Viren: Wenn wir ins Portemonnaie greifen, um im Supermarkt zu bezahlen, gelangen über den Geldschein Hunderttausende Erreger auf unsere Hände. Keine allzu schöne Vorstellung, zugegeben, aber für einen gesunden Menschen ist das völlig ungefährlich.

Was wäre unser Verdauungssystem ohne diese unzählbare Menge von Bakterien, die die Darmwände besiedeln? Wir könnten ohne diesen Mikrokosmos gar nicht überleben.

Bei kranken Menschen ist es anders. Ihr Immunsystem ist angeschlagen. Es sind vor allem multiresistente Keime, die gefährlich werden – also Keime, die auf mehrere Antibiotika nicht mehr ansprechen. Darum müssen insbesondere im Gesundheitswesen Hygienevorschriften penibel beachtet werden. Auch Sie als Patient und als Besucher können dazu beitragen, die Verbreitung vor allem der multiresistenten Keime so gering wie möglich zu halten.

Eines der effektivsten Mittel hierzu ist die Händedesinfektion. Denken Sie bitte daran, bei jedem Krankenhausbesuch die Händedesinfektionsmittelspender zu benutzen. Sie finden Sie in der Eingangshalle und auf allen Stationen.

Häufige Irrtümer über Hygiene

Falsch ist:
Jede im Krankenhaus erworbene Infektion ist durch strikte Einhaltung von Hygienevorschriften vermeidbar.

Wahr ist:
Jeder Mensch besitzt eine Flora aus Milliarden von Bakterien. Gelangt etwas von der körpereigenen Flora an eine falsche Stelle im Körper, kann dies Infektionen verursachen. Auch durch striktes Einhalten der Hygieneregeln lässt sich das leider nicht immer verhindern. Dennoch können auch der Patient und die Besucher dazu beitragen, das Risiko so klein wie möglich zu halten (z.B. durch Händehygiene).

 

Falsch ist:
Ein Krankenhaus mit MRSA-Fällen ist ein schlechtes Krankenhaus.

Wahr ist:
Es ist positiv zu bewerten, wenn ein Krankenhaus MRSA-Fälle identifiziert. Entscheidend ist das weitere Vorgehen: Der Patient muss isoliert und fachgerecht behandelt werden. Durch die konsequente Einhaltung unterschiedlicher Hygienemaßnahmen wird das Übertragungsrisiko minimiert. Ein Krankenhaus, das viele Patienten mit multiresistenten Erregern aufnimmt, und professionell damit umgeht, ist empfehlenswert.

 

Falsch ist:
Verschmutzte Fußböden oder Sanitärbereiche erhöhen die Gefahr einer Infektion mit multiresistenten Keimen.

Wahr ist:
Schmutzige Böden und Sanitärbereiche, die nicht unverzüglich gereinigt werden, sollte es in einem Krankenhaus nicht geben – das steht außer Frage. Doch ungeachtet dessen sind sie nicht der Grund für die Verbreitung von multiresistenten Keimen. Die Gefahr der Verbreitung der gefährlichen Keime besteht vor allem dann, wenn Hände oder medizinische Geräte nach Kontakt mit Haut, Schleimhäuten oder Wunden unzureichend desinfiziert werden.
Deshalb ist und bleibt die Händehygiene von zentraler Bedeutung beim Infektionsschutz.

 

Falsch ist:
Das Tragen von Handschuhen macht die Desinfektion der Hände überflüssig.

Wahr ist:
Das Gewebe der Handschuhe ist durchsetzt mit Mikroporen, die nur unter einem speziellen Mikroskop sichtbar sind. Keime jedoch können mitunter diese Poren durchdringen. In Verbindung mit Schweiß und der eigenen Hautflora wird die Vermehrung von Erregern begünstigt.

Zentrale Aufgaben

Die Mitarbeiter der Krankenhaushygiene sind  fach- und abteilungsübergreifend tätig und haben daher Einblick in alle klinischen Bereiche.

Sie arbeiten darüber hinaus mit zahlreichen, externen Partnern zusammen wie z.B. dem Gesundheitsamt, dem Amt für Lebensmittelüberwachung oder dem Amt für Arbeitsschutz, sowie einem Labor zur mikrobiologischen Überwachung, um nur einige zu nennen.

Beraten wird die Krankenhaushygiene durch einen entsprechend qualifizierten Krankenhaushygieniker.

Entsprechend den verbindlichen Regelungen des Infektionsschutzgesetzes, der Hygieneverordnung NRW und den Hygieneempfehlungen des Robert- Koch- Institutes (RKI) werden Untersuchungen und präventive Überprüfungen in fast allen klinischen Bereichen durchgeführt und dokumentiert.

Hierzu gehören z.B. spezielle mikrobiologische Untersuchungen, das Führen entsprechender Statistiken, die Festlegung relevanter Verfahren im Hygienehandbuch, die Erstellung von Desinfektionsplänen und die Durchführung regelmäßiger Hygienevisiten. 

Oberstes Ziel ist die Verhinderung von vermeidbaren Infektionen

Im Krankenhaus erworbene Infektionen, so genannte nosokomiale Infektionen, können für die Patienten mit schwerwiegenden Folgen verbunden sein.

Aus diesem Grund wird besonderer Wert auf die Vorbeugung und Vermeidung solcher Komplikationen gelegt. Durch Beratung und Schulung, wird sichergestellt dass die Mitarbeiter über gesetzliche Vorgaben informiert sind und diese anwenden können.

Strukturqualität

Zur Sicherung der Strukturqualität werden folgende personelle Vorgaben des Robert- Koch- Institutes umgesetzt:

  • Ein beratender Krankenhaushygieniker
  • Fachschwestern für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention
  • Hygienebeauftragte Ärzte aus unterschiedlichen Fachdisziplinen
  • Hygienebeauftragte Mitarbeiter in der Pflege

Prozessqualität

Zur Umsetzung einer hohen Prozessqualität gehört:

  • Die Teilnahme an Qualitätsverbundveranstaltungen euPrevent EMR
  • Die Teilnahme am kommunalen Netzwerk der Städteregion Aachen
  • Die Teilnahme am Arbeitskreis der Hygienefachkräfte
  • Regelmäßige Hygienebegehungen
  • Mitarbeiterschulungen und Hygieneunterricht in der Krankenpflegeschule
  • Mikrobiologische Untersuchungen nach Vorgaben des Robert- Koch- Institutes
  • Tägliche Sichtung und Bewertung aller mikrobiologischen Befunde und Einleitung daraus resultierender Maßnahmen
  • Erstellen von Desinfektions- und Hautschutzplänen
  • Erstellung eines Hygienehandbuchs mit online- Zugriff für alle Mitarbeiter
  • Die Überwachung der Lebensmittelverarbeitung nach HACCP- Kriterien
  • Überwachung der Instrumentenaufbereitung/Sterilgutversorgung
  • Bewertung der spezifischen Erreger / Resistenzsituation durch ein externes Labor und Vergleich mit nationalen Daten von Krankenhäusern mit identischer Versorgungsstufe
  • 2x jährlich Durchführung einer Hygienekommissionssitzung
  • Die Erfassung von epidemiologischen Daten im KISS- System (Krankenhaus- Infektions- Surveillance- System) -> evtl. als Link zur NRZ Seite hinterlegen!
    • Wir erfassen:
      • NEO -KISS
      • MRSA -KISS
      • OP -KISS
      • HAND -KISS
      • ITS -KISS
      • CDAD -KISS

Ergebnisqualität

Die Nachweise zur Ergebnisqualität spiegeln sich in folgenden Punkten wieder:

  • Qualitätssiegel euPrevent
  • Benchmarking der KISS- Erfassungen durch das Nationale Referenzzentrum zur Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ)
  • Qualitätsmanagement ISO 9001: 2015
  • Untersuchungsergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen
  • Begehung und Begutachtung durch das Gesundheitsamt der StädteRegion Aachen
  • Begehung und Begutachtung durch das Lebensmittelamt der StädteRegion Aachen

Informationen für Patienten und Besucher

euPrevent Gütesiegel

Siegel „Patientensicherheit durch Hygiene und Infektionsschutz“

Ausgezeichnete Hygiene

Zum dritten Mal in Folge haben wir mit dem Siegel im Juli 2017 die strengen Auflagen im Dreiländereck erfüllt.
Nur drei Krankenhäuser aus der gesamten StädteRegion Aachen wurden mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet.

 

Mehr Infos

KISS Zertifikat 2017

KISS

Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System ist ein Krankenhaus- Infektionserfassungssystem des Nationalen Referenzzentrum (=nrz ) an dem Krankenhäuser  freiwillig teilnehmen können.

Die in den Krankenhäusern erhobenen  Daten werden an das nrz übermittelt und dort ausgewertet. Die Auswertungen und Berechnungen werden den teilnehmenden Krankenhäusern zur Verfügung gestellt, um sich miteinander vergleichen zu können (Referenzberechnung). Diese Daten werden von den einzelnen Krankenhäusern zur  internen Qualitätssicherung verwendet.

Mehr Infos

Fachleute im Einsatz für die Hygiene

Ihre Ansprechpartner:

Hildegard Lintz (links)
Fachschwester für Krankenhaushygiene
Tel.: (02402)107-8516
lintz@bethlehem.de

 

Christa Thielen (rechts)
Fachschwester für Krankenhaushygiene
Tel.: (02402)107-4596
thielen@bethlehem.de