PJ-Ausbildung

Wir möchten, dass Sie als angehender Arzt/-Ärztin die Arbeit eines Radiologen und einer gesamten Radiologie-Abteilung als Insider kennenlernen. Hierzu werden Sie in unsere tägliche Arbeit, in unsere diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen und in unsere interdisziplinären Gespräche miteinbezogen. Fünf Tage in der Woche haben Sie, wie unsere Ärzte, einen festen Platz in unserem Arbeitsplan.

Folgende Lehrangebote stehen Ihnen zur Verfügung:

  • Befunderstellung von Skelett- und Thorax-Aufnahmen nach fachärztlicher Demonstration mit eigenständiger Nutzung des RIS/PACS Systems.
  • Betreuung von Großgeräteuntersuchungen MRT/CT entsprechend der üblichen Assistenzarztfunktion in oberärztlicher Begleitung, inklusive
    • Besprechung der Indikationstellung zur Untersuchung
    • Festlegung des Untersuchungsvorganges
    • Patientengespräch und Anamnese
    • Kontrolle des Untersuchungsergebnisses
    • Erstellung von radiologischen Befunden unter Anleitung (je nach Schwierigkeitsgrad)
    • Organisation des Arbeitsplatzes
  • Teilnahme an Durchleuchtungsuntersuchungen (Gastrointestinaltrakt, Phlebographien) und Angiographien der peripheren Gefäße.
  • Teilnahme an angiographisch und insbesondere CT-gesteuerten Interventionen
  • (Biopsien, Drainagenanlagen, Schmerztherapie) mit Besprechung der Indikationen, Durchführungstechniken und Komplikationen.

An folgenden Fortbildungsangeboten können Sie teilnehmen:

  • Täglich:
    • Interdisziplinäre Röntgenbesprechungen
  • Wöchentlich:
    • PJ-Studentenkurs „Praktische Radiologie für Nicht-Radiologen“, Anleitung zur Interpretation von radiologischen Untersuchungen nach praxisrelevanten Kriterien
    • Interdisziplinäres Tumorkolloquium
  • Kinderradiologie: Was ist dabei anders?
    • Besonderheiten im Bereich der konventionellen Radiologie, CT und MRT
  • Wöchentlich: Einblick in die MTRA-Arbeit:
    • Wie werden Röntgenaufnahmen angefertigt?
    • Patienteneinstellung, digitale Radiographie, Tipps und Tricks.
  • Wöchentliche ärztliche Fortbildungen mit kurzem Referat oder Besprechung interessanter Fälle

Qualitätssicherung in der Radiologie

Die Qualitätssicherung in der Radiologie hat zum Ziel, eine adäquate Bild- und Befundqualität mit einer minimalen Strahlenexposition zu erreichen. Die Durchführung der Qualitätssicherung schreibt u. a. die Röntgenverordnung vor.

Sinn des Qualitätsmanagements ist die absolut sichere Beherrschung aller Prozesse und Strukturen, letztendlich zum Wohle der Patienten.

Ihr Radiologe sichert die Qualität durch vier Maßnahmen:

1. Monatliche oder quartalsmäßige Konstanzkontrolle des Aufnahmesystems

Monatlich oder quartalsmäßig werden in einem fest definierten Prozess mit Standardeinstellungen die über einen Prüfkörper gemessenen Werte der Testaufnahme mit den vom Hersteller abgenommenen Ausgangswerten verglichen.

Bei auffälligen Abweichungen werden die Aufnahmesysteme neu eingestellt.

2. Einhaltung von ärztlichen Leitlinien für die Erstellung der Aufnahmen

Von der Bundesärztekammer wurden in Leitlinien Werte für die Anfertigung von qualitativ ausreichenden Röntgenaufnahmen unter Berücksichtigung von strengen Strahlenschutzmaßnahmen festgelegt.

3. Ärztliche Qualitätsanforderung mit der Festlegung von Qualitätskriterien der Röntgenaufnahmen

Ihr Radiologe hält diese Leitlinien zur Qualitätssicherung ein. Diese Leitlinien, die Radiologen mit der Bundesärztekammer festgelegt haben, legen anhand typischer Aufnahmen definierte Bild-Beurteilungskriterien als Standards fest.

Der in verschiedenen Organen veröffentlichte Vorschriftenkatalog unterliegt ständiger Überarbeitung und Verbesserung, insbesondere im Hinblick auf die Digitaltechniken. Die Bildqualität wird bestimmt durch die technischen Kenngrößen der Aufnahmen und den Informationsgehalt.

Die ärztlichen Qualitätsanforderungen beziehen sich daher auf charakteristische Bildmerkmale, für die Diagnose wichtige Bilddetails und kritische Strukturen. Darüber hinaus gibt es für Kinder besondere Untersuchungs- und Abbildungsbedingungen.

4. Kontinuierliche ärztliche Fortbildung

Ihr Radiologe besucht Fachkongresse und Fortbildungsveranstaltungen und informiert sich regelmäßig durch Veröffentlichungen, um dem ständigen Fortschritt in der Medizin gerecht zu werden.

1999 gründete die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) eine Akademie für Fort- und Weiterbildung, die sich an US-Vorbilder der CME (continous medical education) anlehnt. Nach erfolgreicher Teilnahme an zuvor geprüften Veranstaltungen kann Ihr Radiologe anhand eines Punktesystems den eigenen Fortbildungsstand vorweisen und den Anforderungen der Ärztekammer gerecht werden. Zusätzlich haben in den letzten Jahren auch Qualitätsmanagementsysteme in Praxen und Krankenhäuser Einzug gehalten.

Zeitreise in die Radiologie

Die moderne Radiologie basiert auf den Entdeckungen von Wilhelm Conrad Röntgen.

Das Leben des Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923)

Am 27.03.1845 wurde Wilhelm Conrad Röntgen als einziges Kind des Tuchfabrikanten Röntgen und seiner Frau Charlotte in Lennep bei Remscheid geboren. Aus wirtschaftlichen Gründen wanderte die Familie einige Jahre später in die Niederlande aus.

Seine Jugend- und Schuljahre verlebte Röntgen in Apeldoorn und in Utrecht, wo er die Technische Schule besuchte, aus disziplinarischen Gründen aber der Schule verwiesen wurde. Ein Mitschüler Röntgens hatte eine Karikatur eines unbeliebten Lehrers auf den Ofen des Klassenzimmers gezeichnet. Während Röntgen dieses „Kunstwerk“ betrachtete, wurde er von besagtem Lehrer überrascht und für den Übeltäter gehalten. Dadurch konnte er das Abitur trotz guter Leistungen nicht erwerben.

Studium und Professur

Trotzdem konnte Röntgen 1865 in Zürich das Studium des Maschinenbaus aufnehmen, da das dortige Polytechnikum statt des Abiturs eine bestandene Aufnahmeprüfung als Zugangsvoraussetzung verlangte. Im Jahr 1868 legte Röntgen sein Diplom als Maschinenbauingenieur ab und schloss noch ein Aufbaustudium in Physik an, das er mit einer Promotion 1869 ebenfalls erfolgreich zum Abschluss führte.

1870 folgte Röntgen seinem Doktorvater und Mentor August Kundt als Assistent nach Würzburg. Da ihm jedoch die Universität Würzburg die Habilitation aufgrund seines fehlenden Abiturs verweigerte, zog es ihn schon bald nach Straßburg, wo er die angestrebte Habilitation 1874 erwerben konnte.

Bereits ein Jahr später nahm er seinen ersten Ruf an, eine außerordentliche Professur für Physik und Mathematik an der Landwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim bei Stuttgart. Die Tätigkeit an dieser Hochschule befriedigte Röntgen jedoch nicht. Ihm wurde zwar eine gute Lehre bescheinigt. Aber Röntgen standen für eigene Forschungen nur beschränkte Mittel zur Verfügung, so dass er froh war, 1876 wieder nach Straßburg zurückkehren zu können.

1879 folgte er einem Ruf auf eine ordentliche Professur für Physik nach Gießen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Röntgen in Fachkreisen bereits einen hervorragenden Ruf als hochqualifizierter Wissenschaftler erworben.

1888 kehrte er nach Würzburg zurück – an eben jene Universität, die ihm Jahre zuvor eine wissenschaftliche Laufbahn verweigert hatte. 1894 wurde er zum Rektor gewählt.

Meilenstein in der Medizingeschichte

Das Jahr 1895 bedeutete mit der aufsehenerregenden Entdeckung der Röntgenstrahlen eine entscheidende Wende in der Geschichte der Medizin. Am 8. November dieses Jahres stieß Röntgen bei der Forschung mit Kathodenstrahlen auf ein neues physikalisches Phänomen: unsichtbare Strahlen, mit deren Hilfe es möglich wurde, das bisher verborgene Innere eines Körpers zu betrachten.

Diese bis dahin unbekannten Strahlen nannte Röntgen vorerst „X-Strahlen“, später wurden sie dem Erfinder zu Ehren als „Röntgen-Strahlen“ bezeichnet.

Am Abend des 23. Januar 1896 hielt Röntgen vor der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft zu Würzburg einen Vortrag, in dem er seine jüngste Entdeckung einem staunenden Publikum vorstellte. Die Nachricht von der revolutionären Entdeckung ging wie ein Lauffeuer durch die ganze Welt. Der stille Forscher Röntgen stand nun plötzlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er entzog sich jedoch weitgehend dem Trubel und setzte seine wissenschaftlichen Arbeiten stattdessen unbeirrt fort. Da er zudem die Patentierung seiner Entdeckung ablehnte, war es möglich, die Röntgenstrahlen sofort zum Nutzen der Menschen anzuwenden.

1900 wechselte Röntgen an die Universität München, wo er am Institut für Experimentelle Physik bis zu seinem Tod lehrte.

Ein Jahr später, 1901, wurde Röntgen der Nobelpreis für Physik verliehen – der erste Nobelpreis überhaupt, der vergeben wurde.

Am 10.02.1923 verstarb Röntgen in München an den Folgen eines Darmkrebses. Sein Leichnam wurde in Gießen beigesetzt.

In seinem Testament verfügte Röntgen die Verbrennung seines wissenschaftlichen Nachlasses, sehr zum Kummer der wissenschaftlichen Nachwelt.

 

Quelle: Siemens.com Global Website